Block’hood – Nachbarschaftliche Ökosysteme im Würfel-Format

Ein großer Würfel, mitten im Nichts – willkommen in der ’Hood. Eine Nachbarschaft, die darauf wartet, von den Spielenden ressourcenbewusst bebaut zu werden – die Grundlage für Block’hood.

Das Spielprinzip von Block’hood basiert darauf, eine Stadt zu bauen, in der durch Ressourcenproduktion und Ressourcenverarbeitung eine florierende Nachbarschaft entstehen kann. Der Städtebau funktioniert per Block, Bauklötzen nicht unähnlich: Jeder Block steht für einen Bestandteil der Stadt, sei es ein Gebäude, eine Produktionsstätte oder ein Baum. Sie alle produzieren Ressourcen, aus denen wiederum andere Blöcke ihre Ressourcen generieren können. Die Ressourcengenerierung funktioniert somit nach einem Input-Output-System –viele Blöcke bedingen sich in ihrer Ressourcenproduktion wechselseitig, sodass nach und nach ein komplexes Ökosystem entsteht. So können Bäume die Ressourcen “Fresh Air”/”Frischluft” und “Leisure”/”Freizeitraum” produzieren, welche die Voraussetzungen für die Besiedlung durch Menschen stellen. Apartments, in denen die Menschen leben, produzieren “Labor”/”Arbeit” – aber sie erzeugen auch Substanzen, welche aus unserer Sicht als Abfallstoffe betrachtet werden, in Block’hood wie jede andere Ressource behandelt werden, zum Beispiel “Organic Waste”/”organischer Abfall” oder “Greywater”/”Grauwasser”. Über eine Schaltfläche im User-Interface kann beobachtet werden, wie sich die Produktion von Ressourcen entwickelt. Die Menge an vorhandenen Ressourcen wird in Zahlen angegeben; ein weiterer Zahlenwert gibt den Produktionstrend an. 

Die Spielumgebung wird per Draufsicht betrachtet; einen Spielendencharakter gibt es nicht. Mit Tastatur und Maus wird das Spiel bedient, wobei das Hauptaugenmerk auf der Steuerung per Maus liegt. Durch Klicken können Objekte in der Spielumgebung ausgewählt und verändert werden – Blöcke können gesetzt, gedreht und gelöscht werden; ein einmal gesetzter Block kann jedoch nicht mehr verschoben werden, wodurch als einzige Lösung dafür bleibt, ihn zu entfernen und neu zu platzieren. 

Bestimmte Blöcke sorgen dafür, dass die Stadt von Menschen und Tieren bevölkert wird. Sie alle haben Vorlieben und Abneigungen für gewisse Blöcke und Ressourcen, welche auch je nach Bewohnenden unterschiedlich sein kann. So mag das Schaf mit dem Namen “Dudley” es, wenn über 99 Einheiten Weizen vorhanden sind, hat aber eine Abneigung gegen hohe Werte an Luftverschmutzung. Auch die Gestaltung der Nachbarschaft hat eine Auswirkung auf die Stimmung der Bewohnenden – beispielsweise ist der Farmer “Marty” gerne in der Nähe eines Diners, verabscheut aber die Nähe eines Eckladens; der Farmer “Bill” mag Weizenfelder, aber keine Luxuslofts. Als spielende Person ist es durchaus möglich, das eigene Spiel so zu gestalten, dass die Vorlieben und Abneigungen der Einwohnenden beim Städtebau in Betracht gezogen werden – einen großen Einfluss auf die Ressourcenproduktion scheint dies jedoch nicht zu haben, allerings haben sie einen Einfluss auf die Gemütslage der Bewohnenden. Ob sie eine Stadt bauen wollen, in der alle ihre Einwohnenden glücklich sind, entscheiden die Spielenden selbst.

Wer als Kind mit Bauklötzen gespielt hat, weiß: Zum Bauen gehört, dass die eigenen Werke irgendwann immer höher und höher werden. An diesen Punkt gelangt man auch in Block’hood. Durch die begrenzte Baufläche entsteht die Notwendigkeit, in die Höhe zu bauen: Wenn der Platz auf einer Ebene nicht reicht, wird noch eine weitere hinzugefügt. Eine Zukunftsvision für eine nachhaltige Stadt, in der nicht nur horizontal, sondern auch vertikal gebaut wird? In Block’hood zumindest ist dies die Lösung, um das entstehende Platzproblem anzugehen.

Ökologie und Ökonomie gehen in Block’hood Hand in Hand. Durch das Aneinanderbauen von bestimmten Blöcken entstehen Synergien und Dyssynergien – so beeinflussen sich zwei benachbarte Läden, etwa “Corner Stores”/”Eckläden” und “Barber Shops”/”Friseure” gegenseitig negativ, während zwei benachbarte Apartments sich positiv beeinflussen. Diese Beeinflussung hat Auswirkungen auf die Produktion der jeweiligen Ressourcen, die von den Blöcken ausgehen. Die ökologischen wie ökonomischen Prinzipien sind zwar sehr vereinfacht dargestellt, veranschaulichen aber dennoch die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt sehr gut. So sind etwa alle negativen gesundheitlichen Folgen der Energiegewinnung aus Öl schlicht unter „Sickness“/”Krankheit” zusammengefasst, was sich zwar an die realen Folgen der Ölwirtschaft auf die Umwelt und die Menschen anlehnt, dabei aber die komplexen Auswirkungen auf die Gesundheit ganzer Ökosysteme nur bedingt implementieren kann. 

Weiterhin ist das simple, stark reduzierte Design der Spielwelt offeenbar von vornherein nicht darauf angelegt gewesen, komplexe Prozesse auch komplex darzustellen. Dies wäre auch dem Spielprinzip nicht zuträglich gewesen, da Block’hood bewusst auf diesem sehr vereinfachten Grafikstil aufbaut. Der Stil, der mit bekannten Spielen im Würfel-Design wie etwa Minecraft verglichen werden kann, reduziert aus der Realität bekannte Objekte (etwa Bäume) auf ein Minimum, um den eigentlichen Fokus des Spiels auf die Prozesse, die im Ökosystem stattfinden, zu legen. Obwohl die Konstruktion desselben ein großer Teil des Spielprinzips ist, lässt sich sagen, dass das Hauptaugenmerk wohl auf der Produktion und Verarbeitung von Ressourcen liegt, da sich jegliche Elemente des Ökosystems aus vorhandenen Ressourcen speisen.

Die Ästhetik des Städtebaus ist dennoch nicht zu vergessen, denn die Spielenden können durch ihr Bauwerk ihre eigenen Visionen einer Stadt konstruieren, soweit es das Spiel zulässt. Dabei steht durchaus die menschliche Perspektive der Spielenden im Vordergrund, welche die Konstruktion der Stadt bestimmt. Sie nehmen die Rolle eines Schöpfers ein, welcher die komplette Kontrolle über die Gestaltung der Welt hat. Die Umwelt wird nach eigenem Ermessen verändert und bebaut – Grundlage für diesen Ausbau sind die Ressourcen, die von der Natur produziert werden. Welche Formen ihr Städtebau annimmt, bestimmen die Spielenden selbst. So ist etwa im freien Spiel nicht vorgegeben, wie die Stadt auszusehen hat oder woraus sich ihre Energiegewinnung speist. Ob Abbau von Öl oder Nutzung von Wasser- und Windkraft, ob grüne Wiesen oder graue Generatoren – alles ist möglich. 

Und so hat auch alles eine Auswirkung auf das Block’hood’sche Ökosystem: Die Gewinnung von Energie durch umweltschädliche Praktiken sorgt für eine Verschmutzung der Luft, welche neutralisiert werden muss, um ein lebenswertes Umfeld zu erhalten. Wasser- und Windkraft hingegen sorgen für weniger Energie, jedoch muss keine Umweltverschmutzung in Kauf genommen werden. Eine zu hohe Belastung der Umwelt durch Luftverschmutzung beispielsweise sorgt für Smog, welcher wiederum negative Effekte auf die Gesundheit der Einwohnenden der Stadt hat. Jedoch hat beispielsweise eine große Anhäufung von Treibhausgasen, was in der Realität langfristig zu einer Erwärmung des Klimas führt, keine Auswirkungen auf die Umwelt und die Bewohnenden. 

In diesen kleinen Widersprüchen liegt die Schwierigkeit, das Spiel ökologisch zu analysieren. Denn obwohl die Spielumgebung als Ökosystem von den Spielenden konstruiert wird, sind (bisher) keine ökologischen Langzeitfolgen implementiert, welche sich auf die Umwelt auswirken könnten. Das Spiel bemüht sich in seinem Story-Modus um ein Narrativ der ökologischen Nachhaltigkeit, welches im Sandbox-Modus jedoch keine Rolle spielt. Die im Story-Modus erzählte Geschichte handelt von einem Jungen und einem Wildschwein, welche sich miteinander anfreunden. Während der Junge erwachsen wird, verliert er sich in einem unternehmerischen Ehrgeiz, welcher letztendlich die Nachbarschaft, in der sie leben, zerstört und ein dysfunktionales Ökosystem hinterlässt. Im letzten Kapitel der Geschichte bauen er und das Wildschwein die Nachbarschaft wieder auf und sorgen für eine nachhaltig bewirtschaftete Umwelt. Diese Geschichte soll zeigen, dass ein umweltbewusstes Handeln wichtig ist, und die Spielenden dazu animieren, in ihren eigenen Stadt-Kreationen auch für ein nachhaltiges Ökosystem zu sorgen.

Block’hood spricht ökologische Themen an, indem die Bestandteile der Stadt von vornherein als Teile eines Ökosystems verstanden werden, welches nur durch ein Zusammenspiel der Blöcke miteinander funktionieren kann. Dabei werden jedoch einige ökologische Aspekte der Spielbarkeit untergeordnet – so etwa Faktoren wie die bereits erwähnten Treibhausgase, welche in der Realität zu einer Erwärmung des Klimas führen würden. Im Spiel wäre es durchaus frustrierend, wenn die liebevoll aufgebaute eigene Stadt durch Folgen eines Klimawandels bedroht wären – auf der anderen Seite böte dies auch eine zusätzliche Herausforderung für die Spielenden und einen Hinweis auf den Zustand der Erde in der Realität. 

Wie bei vielen Aufbausimulationen hängt das Spielziel stark von den Spielenden ab. Im endlos spielbaren Sandbox-Modus entscheiden die Spielenden für sich, welches Ziel sie mit ihrer Stadt verfolgen. Eine ökologische Narration im eigentlichen Sinne ist nicht vorgegeben, doch es ist durchaus möglich, einer ökologisch-umweltfreundlichen Spielstrategie zu folgen, wenn die Spielenden dies wünschen. So können sie eine übermäßige Produktion schädlicher Ressourcen, welche sich negativ auf die Umgebung auswirken, vermeiden, beziehungsweise jene Ressourcen neutralisieren.

Doch auch, wenn eine Vemeidung schädlicher Ressourcen nicht gelingt: Nichts ist für immer verloren in Block’hood. Jegliche Schäden können wieder neutralisiert werden, indem sie durch bestimmte Blöcke rückgängig gemacht werden. Bäume können Treibhausgase filtern, und Algenfarmen können Abwasser zur Ressourcenproduktion nutzen. Einen irreversiblen Klimawandel gibt es nicht. Obwohl Blöcke, wenn sie nicht genutzt werden, verfallen, ist es möglich, sie durch den Einsatz bestimmter Ressourcen wieder zu reparieren. 

Herauszufinden, wie die einzelnen Blöcke aufeinander wirken und wie es möglich ist, eine möglichst hohe Ressourcenproduktion mit minimalen Umweltschäden zu schaffen, dürfte wohl der größte Reiz des Spiels sein, was auch in Diskussionen auf Steam zu sehen ist  – wenngleich es auch durchaus interessant ist, zu sehen, was passiert, wenn die Werte für Krankheit oder Treibhausgase einen bestimmten Grenzwert überschreiten. Doch anders als in der Realität gibt es dafür in der virtuellen Welt von Block’hood keine langfristigen Folgen, denn das Spiel kann immer wieder neu gestartet werden. Eine wünschenswerte Sache für die Realität, in der der Klimawandel die Existenz der Erde bedroht.

Text von Jana Türülümow (BA Europäische Medienwissenschaft), Praktikumskraft beim DIGAREC